AUM Mantra

Wo in der östlichen Tradition meditiert und Yoga praktiziert wird, ertönt das Mantra Om. Es gilt als der Urklang des Universums. Der Überlieferung nach wird im höchsten Bewußtseinszustand (Turiya) dieser Klang vernommen. Daraus leitet sich die Praxis und Wirkung der Mantrarezitation ab.

Indem der Übende das Mantra wiederholt, schwingt sich sein eigenes Bewußtsein (auch die im Gehirn gemessenen Frequenzen) auf diesen Urklang ein, was die Selbsterfahrung stark verändert. Es können neue, das gewöhnliche Bewußtsein übersteigende Erfahrungen gemacht werden. Ihr Sinn besteht darin, existentielle Fragen durch eigenes Erfahren zu beantworten: Wer bin ich? Was ist die Wirklichkeit?

Die Upanishaden zählen zu den frühesten Schriften der indischen Hochkultur. Dort erfahren wir in der Chandogya-Upanishad etwas über das aus Einsicht und Erfahrung geborene Weltbild dieser alten Kultur:

 

"Am Anfang war das Sein, Eines ohne ein Zweites.
Aus sich selbst brachte es den Kosmos hervor
und ging in alles darin Vorhandene ein.
Nichts existiert, das nicht aus ihm stammt.
Von allem ist es das innerste Selbst.
Es ist die Wahrheit; es ist das höchste Selbst.
Das bist Du; das bist Du." 1

 

Und auch über das innere Wesen der Silbe AUM wird uns etwas mitgeteilt. In seiner sehr empfohlenen essentiellen Übersetzung der Upanishaden, faßt Eknath Easwaran die Mandukya Upanishad wie folgt zusammen:

 

"1. AUM steht für die höchste Wirklichkeit. Es ist das Symbol für das, was war, was ist und was sein wird. AUM symbolisiert außerdem, was jenseits von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegt.

2. Brahman ist alles, und das Selbst (Atman) ist Brahman. Dieses Selbst hat vier Bewusstseinszustände.

3. Der erste ist Vaishvanara genannt: In ihm lebt man mit durchweg nach außen gerichteten Sinnen, nur der äußeren Welt gewahr und inne.

4. Taijasa ist der Name des zweiten, des Traumzustands, indem man bei durchweg nach innen gewendeten Sinnen, die Eindrücke der vergangenen Taten und gegenwärtigen Begehren in Szene setzt.

5. Prajna nennt man den dritten Zustand, den Tiefschlaf, in dem man weder träumt noch begehrt. In Prajna gibt es den Geist nicht und keine Getrenntheit; aber der Schlafende ist sich dessen nicht bewußt. Möge er zu Bewusstsein kommen in Prajna: Das öffnet gewiß die Tür zum Zustand bleibender Freude.

6. Prajna, allmächtig und allwissend, wohnt als Herrscher in den Herzen aller Wesen. Prajna ist der Ursprung und das Ende aller Wesen.

7. Der vierte ist der überbewußte Zustand names Turiya, weder nach innen noch nach außen gekehrt, jenseits der Sinne und des Verstandes: In ihm gibt es keinen anderen als den Herrn. Er ist das höchste Lebensziel. Er ist unendlicher Friede, grenzenlose Liebe, Realisiere ihn!

8. Tyriya wird symbolisiert durch AUM. Obzwar unteilbar, hat es doch drei Laute.

9. A steht für Vaishvanara. Jene, die das wissen erlangen durch Beherrschung der Sinne die Früchte ihres Begehrens und ebenso Größe.

10. U deutet Taijasa an. Jene, die das wissen, erreichen, indem sie sogar ihre Träume beherrschen, Gegründetsein in Weisheit. In ihrer Familie führt ein jeder das spirituelle Leben.

11. M entspricht Prajna. Jene, die das wissen, finden, indem sie den Geist beruhigen, ihre wahre Gestalt und regen alle ringsum an, zu wachsen.

12. Das Mantra AUM steht für den höchsten Zustand Tyriya, teilelos, jenseits von Geburt und Tod, Symbol immerwährender Freude. Jene die AUM als das Selbst erkennen, werden das Selbst; wahrlich werden sie das Selbst.

Om Shanti Shanti Shanti"

 

[1] Quelle: Eknath Easwaran, "Die Upanishaden", Goldmann

 

Die Denker aller Jahrtausende haben versucht zum Ursprung der Existenz vorzudringen. Sie wollten ganz wie Goethes Faustus verstehen, "was die Welt im innersten zusammenhält". AUM gilt den indischen Weisen als Antwort, die es selbst zu erfahren und weiter zu erforschen gilt. In ihm verbinden sich die sichtbare und die unsichtbare Wirklichkeit, die in viele Formen aufgeteilte Schöpfung mit der aller Form zugrundeliegenden innewohnenden unteilbaren Einheit.

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